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Mt. Tongariro

Mt. Tongariro

Das von Tenorsaxophonist Christoph Irniger geleitete Quartett-Projekt Pilgrim ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass manchmal das Gesamte weit mehr ist als die Summe seiner Einzelteile. Jeder einzelne Protagonist befindet sich weit draußen, weit entfernt von den showcase rooms, in denen gut ausgebildete Musiker meinen, ihr Können durch Präsentation ihrer technischen Fertigkeiten im „höher-schneller-weiter“-Stil zu dokumentieren. Stattdessen gilt das Prinzip der Reduktion – oder „weniger ist mehr“. Mit nur minimal(istisch)en Klängen jedes Einzelnen schaffen die Pilgrim-Musiker einen in dieser Art überraschend vollen, runden, dichten Rundum-Sound, der sich nur schwer kategorisieren lässt. Neben den sparsam eingesetzten Tönen werden auch melodische wie rhythmische Stilelemente nie ausgeweidet, höchstens angerissen, um bald in neue Kanäle zu fließen. Dazu wird dieser individuelle Klangkosmos ergänzt durch unkonventionelle Farbtupfer. Wie zum Beispiel die von Vera Kappeler gezupften schnarrenden Klaviersaiten oder den von Christian Weber derart gestrichenen Kontrabass, dass er glatt mit einer Bassklarinette verwechselt werden könnte. Der titelgebende Mount Tongariro ist im übrigen ein Vulkan auf der Nordinsel Neuseelands und dient dem Quartett als virtueller Zielpunkt ihrer imaginären Reise. Peter Haffner schreibt im Booklet-Text: „Diese Reise zum Tongariro handelt vom Fernweh, (…) von Glücksmomenten und Panikattacken, von Unsicherheit und Selbstvertrauen, vom Wechselbad der Gefühle, das durchlebt, wer die Welt jenseits des Laufgitters der Erlebnisindustrie erkundet.“ Wer dieses kompakte Kunstwerk erhört, wird sich verwundert die Augen oder Ohren reiben, dass tatsächlich auch Unsicherheit, Panik gar, die Akteure beseelt haben könnte. Viel eher drängt sich der Eindruck auf, dass die Dame und die drei Herren zum einen ganz genau wissen, was sie da tun. Und dass sie absolut gleichberechtigt an einem gemeinsamen Strang ziehen. Christoph Irniger (Tenor Saxophon, geboren 1979) spielt sein Instrument seit seinem elften Lebensjahr. Zwischen 2000 und 2006 absolvierte er Studiengänge in Musikpädagogik an der Jazzschule Zürich und Performance an der Musikhochschule Luzern, die er mit Auszeichnung abschloss. Seine Lehrer waren Christoph Grab und Nat Su. Zusätzlicher Unterricht bei Dave Liebman, Enrico Rava, Kurt Rosenwinkel, Ari Hoenig, Mark Turner oder Nils Wogram. Irniger selbst unterrichtet an der Musikschule Konservatorium Zürich und widmet sich neben Pilgrim seinem Trio/Quartett und der Band Cowboys From Hell. Vera Kappeler (Klavier, geboren 1974) schloss ihr klassisches Klavierstudium am Konservatorium Winterthur im Jahre 1999 mit dem Lehrdiplom ab. Parallel erhielt sie Unterricht an der Jazzschule Basel. Heute spielt sie in diversen Projekten aus den Bereichen Jazz, Folk und freie Improvisation und unterrichtet in Winterthur und Luzern. Christian Weber (Kontrabass, geboren 1970) studierte an der Universität für Musik und Dramatische Kunst in Graz und am Bruckner Konservatorium in Linz bei Adelhard Roidinger, in Wien wurde er von Ernst Weissenheimer unterrichtet, um danach selbst als Gastdozent an der Universität Bern zu wirken. Er schreibt regelmäßig Musik für Theater, Film oder Klanginstallationen und ist Mitglied bei mehreren anderen Bands. Michael Stulz (Schlagzeug, geboren 1977) studierte an der New Yorker Drummers Collective, der Jazzabteilung der Musikhochschule Luzern. Inzwischen trifft man ihn auf fast allen Bühnen der Welt in einer seiner mehr als zehn aktuellen Formationen.

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